HENRY BOND, GERAHMT BEI HERR LEUTNER

The Cult of the Street. Seine Momentaufnahmen scheinen zuweilen höchst amateurhaft, sowohl in der Wahl der Motive als auch in deren fotografischen Fixierung. Doch das Verfahren hat Methode.

PETER HUJAR, GERAHMT BEI HERR LEUTNER

Wer sich den schwarzweissen Porträts Peter Hujars aussetzt, mag erfahren, dass eine innere Staumauer bricht, und er überflutet wird von der Kraft widersprüchlicher Emotionen, mitgerissen von Strudel und Strömung, gelähmt vom Bann ihres Sogs.

BETTINA RHEIMS GERAHMT BEI HERR LEUTNER

Bettina Rheims ist berühmt für ihre Portraits weiblicher Stars. Die Französin, die eine deutsche Mutter hat, stammt aus einer großbürgerlichen, jüdischen Familie und arbeitete zunächst als Model bis sie später eine weltweit gefeierte Fotografin wurde.

ED VAN DER ELSKEN

Krasnapolsky 1962
Pigmentdruck 20x28cm
Gerahmt von HERR LEUTNER

Ed van der Elsken (1925-1990) war zuerst und hauptsächlich ein Strassenfotograf, der seine Motive beim unablässigen Durchwandern und Durchforsten von Grossstädten, von Paris, Amsterdam, Hong Kong und Tokio fand. Studentenquartiere und Arbeiterviertel waren seine bevorzugten Gegenden und da zogen ihn jene Menschen an, die Stolz ausstrahlten, Vitalität verströmten und ihr Leben, selbst in grosser Armut, überschwenglich lebten. Seine besondere, fast einzigartige Weise, auf die Menschen zuzugehen, sie in seinen Bann, für Sekunden oder Minuten in den Bann des einverständlichen Fotografierens zu ziehen, verleihen seinen Fotografien eine oft extrovertierte, theatralische Dimension. Daneben finden sich auch zahllose Beispiele von zurückhaltenden, poetischen, manchmal traurigen Szenen, die von seiner Wertschätzung für das Individuum zeugen. Vielleicht darf man ihn einen existenzialistischen Fotografen nennen, vielleicht auch den Hippie der Fotografie, sein Werk jedenfalls preist zugleich die Wärme, Freude und Schönheit des Lebens, wie es von Verlust, Trauer, von Aggression und Gewalt erzählt. Die Ausstellung und das Buch Once upon a time, von Ed van der Elsken selbst noch, kurz vor seinem Tod, als Vermächtnis umrissen, umfassen seine wesentlichen Projekte von 1947-1988.

GILLES PERESS

Abschied von Bosnien 1993
Pigmentdruck 60x80cm
Gerahmt von HERR LEUTNER

Im Frühjahr 1993 erhielt Gilles Peress von der Fondation de France ein Stipendium, das es ihm ermöglichte, sechs Monate lang in Bosnien zu sein, die Grenze in diesen fürchterlichen Krieg zu überschreiten und sich auf den Weg nach Mostar, Tuzla, Vitez und nach Sarajevo, diese einst gerühmte multikulturelle Stadt, zu begeben. Auf dieser Reise begegnen ihm Flüchtlinge und Zurück-Gebliebene, begegnen ihm Verletzte und Tote, auf dieser Reise begegnet ihm Zerstörung. Immer aber ist er auch mit der eigenen Fotografie, mit dem eigenen Tun in Bosnien konfrontiert. Warum bin ich hier, was fotografiere ich hier, was habe ich hier zu suchen? Seine Bilder verheimlichen das Schreckliche, das Mörderische nicht, stellen es gar anprangernd ins Zentrum, aber nicht als Selbstzweck, sondern als Frage an die europäische Kultur, Zivilisation und Politik, die hier zusammen zu versagen und gemeinsam unterzugehen scheinen. Farewell to Bosnia, Abschied von Bosnien, ist sein bitterer, zorniger Kommentar: Europa hat Bosnien längst aufgegeben. Wir schauen mit Abscheu wohl, mit Langeweile auch, vielleicht gar mit makabrer, versteckter Genugtuung auf dieses nichtendenwollende Gemetzel, denn solange es dort ist…kann es doch nicht auch bei uns sein…

Gilles Peress‘ Foto-Raum Abschied von Bosnien ist das Resultat seiner Reise durch dieses Gebiet, seiner Begegnung mit den Menschen, seiner Auseinandersetzung mit dem „Fluch der Geschichte“: „ … Väter, die Gräulgeschichten vom Krieg erzählten. Bilder, so schrecklich, dass man gezwungen werden muss, sie wirklich zu sehen, um mit ihnen fertig werden zu können. Und um zu sehen, muss man sie durchspielen… “ Gilles Peress hat eine besondere Sensibilität für den aufbrechenden Hass, für die neuen Horte des Nationalismus – und einen besonderen Ehrgeiz, mit seinen Fotografien einen Beitrag zur Offenlegung dieser Konflikte und zur direkten Auseinandersetzung zu liefern.

ALEX PRAGER

Despair, 2010
C-Prints 40.3 x 54 cm
Gerahmt von Leutner Bildwerkstatt

Der Besuch einer William-Eggleston-Ausstellung brachte die 29-jährige Fotografin Alex Prager aus Los Angeles auf die Idee, selbst zu fotografieren. Ihr Cinemascope-Stil erinnert an Szenen aus David-Lynch- und Alfred-Hitchcock-Filmen oder an die Selbstinszenierungen von Cindy Sherman. Dramatische Momente, in denen sich alles um Vereinsamung, Angst, Verlangen und Lust dreht. Alex Prager sagt über ihre Arbeit, sie dokumentiere eine Welt, die gleichzeitig existiert und nicht existiert. Die Grenzen zwischen Fantasie und Wirklichkeit verschwimmen, die Fassade ist in ihrer aktuellen Arbeit so dick, dass die Illusion wirklicher ist als die echte Welt. Ihre aktuelle Fotoarbeit Week-End ist der dritte Teil einer Trilogie, die 2007 mit den Serien Polyester und The Big Valley begann und war in New York im Museum Of Modern Art im Rahmen der Ausstellung New Photography zu sehen.

JOSEF KOUDELKA

Matriarch, n.d.
Gelatin silver print 35.6 x 22.9 cm
Gerahmt von Leutner Bildwerkstatt

„Kauf dir ein paar gute Schuhe!“ war die Antwort Koudelkas an einen jungen Fotografen, ob er ihm nicht einen Tipp für seine Karriere geben könnte.

Koudelka schuf in den 1960er-Jahren ausgedehnte Zyklen über das Leben der romanessprachigen Landbevölkerung. Die Roma waren dabei eines seiner Hauptthemen, deren Leben er aus einer Innenperspektive und familiären Nähe heraus schilderte.

Koudelkas Schwarzweißfotografien fallen durch ausgeprägte grafische Abstraktion auf und waren prägend für weitere Generationen von Fotojournalisten. Die Menschen wirken auf den Bildern oft verloren, auch weil Koudelka sie gerade in den Grenzbereichen des Menschlichen Lebens fotografierte. Gleichzeitig haben viele seiner Arbeiten einen grotesken bis humoristischen Aspekt. Die Bilder künden trotz ihrer formalen Strenge von einem tiefen Humanismus.